Aprilsommer

Mit Vollgas in die Gartensaison

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Kirschblüte hinter dem Haus

Wie hieß noch einmal die Jahreszeit zwischen Bibber-Temperaturen und Badewetter? Ach ja: Frühling!

Schön, dass die Erinnerung noch nicht allzu schwer fällt. Irritiert ist man dieser Tage trotzdem. Passiert nicht allzu oft, dass die Flipflops schon aus dem Winterquartier zurück sind und die Daunenjacke noch am Kleiderhaken hängt. Der Übergang von Winter zu Sommer ging aber auch schnell. Wie soll man da hinterherkommen? Schließlich hat man ja auch noch anderes zu tun. Während wir in Sachen Hausrenovierung aktiv waren, hat der Giersch still und heimlich den ganzen Garten übernommen. Da hilft auch kein Aufessen mehr. Großflächiges Jäten ist die Aktion der Stunde.

 

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Wimmelbild für Fortgeschrittene: Ja, was wächst denn da?

Zum Glück ist Giersch nicht die einzige Pflanze, die sich vermehrt hat. Noch ist der Bewuchs spärlich, aber es scheint gelungen zu sein, Bärlauch in unserem Garten heimisch zu machen. Die paar Pflänzchen, die ich im vergangenen Jahr aus Versehen samt Zwiebel aus der Erde gepflückt habe und eingepflanzt habe, sind nicht nur zurück, sondern das auch noch in doppelter Mannschaftsstärke. Sogar erste Knospen sind bereits zu sehen. Mindestens 10 Pflänzchen sprießen unter dem Sauerkirschbaum. Bis zum ausgewachsenen Bärlauchfeld ist es zwar noch ein weiter Weg, aber man wird ja wohl hoffen dürfen.

Die Bienenkönigin hat sich bei der Durchsicht des Volkes auch gezeigt. Damit ist klar: Sie hat den Winter überstanden – und mit Futter in der Futtertasche, einer neuen Generation bereits verdeckelter Brut in den Startlöchern und dem Blütenmeer vor der Haustür kann jetzt eigentlich nichts mehr schief gegen. Die erste Bienenüberwinterung ist geglückt.

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Der Mai muss noch kommen, die Bäume schlagen längst aus.

 

Im Zeichen der Hütte

Neuer Stauraum hinter dem Haus

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Das Glück ist mit an Bord: Ein Hufeisen an der Tür gehört zur Grundausstettung der „neuen“ Hütte.

Unser Grundstück erfreut sich einer stattlichen Anzahl kleinerer und größerer Gebäude. Es gibt eine Werkstatt, eine Abstellkammer und einen Carport – der allerdings seit längerer Zeit als Materiallager missbraucht wird. Nur das Gartengerät hatte bislang noch kein eigenes Zuhause. Und so gesellten sich Rechen und Schaufeln zu den Werkzeugen im Schuppen, der Gartenschlauch verkroch sich unter der Wasserbecken-Badewanne neben der Feuerschale und die Blumentöpfe und Mulchsäcke warteten in einer kleinen Wellbleck-Konstruktion am Zaun auf ihren nächsten Einsatz.

Sieht so ein geordnetes Gartenleben aus? Ganz sicher nicht. Ein Gerätehäuschen musste her! Kein Problem – die gibt es schließlich in jedem Baumarkt. Nur: Möchte man so eine Sperrholz-Konstruktion im eigenen Garten haben? Dass die Ästhetik eine vollkommen andere ist, als die der übrigen Gebäude, liegt auf der Hand.

Fast fertig! Das Dach ist jedenfalls schon drauf.

Der Ausweg aus dem Dilemma kommt in Form einer Kleinanzeige daher. Ein „Kleines Gerätehaus“ steht zum Verkauf. Man wird sich handelseinig und schon nimmt eine Aktion ihren Lauf, die auf einen Tag angesetzt war, aber letztendlich zwei Tage dauert. Ohne die tatkräftige Mithilfe der Nachbarn, neuer und alter Freunde und des Verkäufers wäre sie auch gar nicht möglich gewesen. Auch ein gemieteter Kleinlaster, ein geliehener und ein schnell noch gekaufter Akkuschrauber (aus einer weiteren Kleinanzeige) und einige Steinplatten, die zu den Erbstücken auf unserem Grundstück zählen, spielen dabei tragende Rollen. In manchen Fällen sogar wortwörtlich!

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Geduld und Wasserwaagen: Das Fundament ist der wichtigste Teil des Baus.

Lernerfahrungen brachte das Wochenende auch in Hülle und Fülle mit sich. Zum Beispiel diese:

  • Vom Vorbesitzer selbstgebaute Hütten sind häufig aus Massivholz und daher fast immer schwerer, als vergleichbare Konstruktionen aus dem Handel. Mit weniger als drei Personen braucht man gar nicht erst anfangen. Dafür sieht es hinterher nicht so aus, als wäre ein nagelneues Ufo aus unbehandeltem Fichtenholz gelandet. Stattdessen könnte man meinen, die alte Hütte wäre schon immer hinter unserem Haus gestanden. Mit anderen Worten: Sie fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein.
  • Es lohnt sich, von Anfang an in vernünftiges Werkzeug zu investieren. Nette Versuche à la „Der ist so schön klein, der gefällt mir!“ sind wenig zielführend. Wer billig kauft, kauft ebenfalls zweimal. Braucht jemand einen kleinen Akkuschrauber, der in die Hosentasche passt? Wir hätten da einen abzugeben…
  • Kreidemarkierungen vor dem Abbau unterstützen den späteren Wiederaufbau enorm. Durchnummerieren der Bretter nicht vergessen!
  • Bauaktionen dauern immer länger, als man denkt. Freunde, die zum Grillen kommen, und stattdessen mit Bierflaschen in der Hand die letzten Bauabschnitte beobachten müssen, sind zwar eine nette Abwechslung, aber keine große Hilfe.
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Auch aus gartengestalterischer Perspektive ist die neue Hütte ein echter Fortschritt. Sie ersetzt den hinteren Steinhaufen.

Zwischen Winter und Frühling

Bienen, Menschen und ein Pfirsichbaum mit Kräuselkrankheit

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Fast noch geschlossene Eisdecke, aber satte Plusgrade

Sieht man auch nicht alle Tage: Kinder, die barfuß an einem zugefrorenen See spielen. Das Wetter im März 2018 kann sich nicht so ganz entscheiden, was es will. Und so folgt dann auch ein echter Frühlingstag auf eine Durststrecke mit sibirischer Kaltluft.

„Nichts wie raus!“ dachten sich da nicht nur die Kinder, sondern auch das stolze Bienenvolk auf unserem Grundstück. Beim Reinigungsflug werden nicht nur die gefallenen Mitstreiterinnen aus der Beute geschafft. Auch für die Körperpflege der Bienendamen selbst ist endlich mal wieder Zeit. Bienen gehen in der kalten Jahreszeit nämlich nicht aufs Klo, sondern warten auf den ersten Frühlingstag mit Werten über 10 Grad. Nur so überleben sie den Flug und die anschließliche Rückkehr in die Beute. Weil der Tag so schön war, passte auch noch ein Abstecher zu den ersten Blumen mit in den Zeitplan. Die neue Brut braucht Pollen…

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Wer hätte es geahnt: Winterlinge ergeben gelbe Pollenhöschen

Für die Gärtner selbst ist auch schon einiges zu tun, zum Beispiel, den Pfirsichbaum gegen die Kräuselkrankheit zu behandeln. Die Gegend um Berlin ist nicht gerade als natürlicher Lebensraum für Pfirsichbäume bekannt. Das Resultat ist eine Pilzerkrankung, der man normalerweise nur mit der chemischen Keule zu Leibe rücken kann. Weil wir die lieber vermeiden wollen, probieren wir es erst einmal mit vergleichsweise harmloseren Mitteln. Essig und Wasserstoffperoxid ergeben eine Lösung, die man auf die Knospen aufsprühen kann. (zwischen 3 und 5%ig soll die Lösung sein)

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Was für die Behandlung von Menschen geeignet ist, kann hoffentlich dem Baum nicht schaden

Flankiert wird das ganze mit der Düngung des Baumes mit Wurmtee und der Aussaat von von Kapuzinerkresse am Boden darunter. Die Kresse muss allerdings noch ein paar Tage auf ihren großen Auftritt warten. Der Winter ist nämlich noch nicht ganz fertig. Die nächste Kältewelle mit strammen Minusgraden wird für das kommende Wochenende erwartet…

Schrödingers Katze lebt!

– und andere Insekten-Frühjahrsvorbereitungen

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Kein Fels in der Brandung, sondern ein Langkopf-Wespennest.

Es gibt eine äußerst wahrscheinliche Kandidatin unter den heimischen Wespenarten, was die letztjährige Vordachbesiedlung angeht: die Sächsische Wespe. Woher ich das weiß? Ich war auf einem Kurs im Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf.

Sächsische Wespen sind Langkopfwespen und gehören zu den Arten, denen der Frühstückstisch am Stachel vorbei geht. Besser noch: Etwa im August haben die Tiere ihr Pulver verschossen und das Nest wird leer. Bauschäden gibt es auch wenig bis keine zu befürchten. Letztendlich war das Loch im Haus ja schon da. Wer kann es ihnen verübeln, wenn sie das als Einladung zum Einzug verstehen? Und das wichtigste: Man kann sich mit ihnen arrangieren. Vielleicht lassen sich die notwendigen Dinge aus dem Geräteschuppen für wenige Wochen anderswo unterbringen und man geht sich einfach aus dem Weg?

Hornissen sind eine ganz andere Baustelle. Zum einen sind die Viecher ein ganzes Stück größer, als jede Wespe. Dann stehen sie unter Artenschutz. Und am Ende des Nestbetriebs werden ihre Fäkalien langsam problematisch. Wegen einer Hornissensiedlung darf man aber nicht so eben mal einfach den Schädlingsbekämpfer rufen. Nur die Feuerwehr darf die Nester im absoluten Notfall ad Hoc „entfernen“. In allen anderen Fällen braucht man eine Genehmigung auf Grundlage eines Zertifikats wie diesem:

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Sachkundelehrgang heißt noch nicht, dass ich alles darf. Sollte ich auch nicht.

Das Zertifikat sagt allerdings noch nichts über die praktischen Fähigkeiten aus, die man bei der Umsetzung von Nestern braucht. Die muss man sich im realen Leben noch erarbeiten. Die Genehmigung zur Umsetzung muss man bei der Naturschutzbehörde einholen. Aber beraten darf ich schon jetzt. Und Beratung ist immer der wichtigste, erste Schritt.

Was die Haustiere angeht: Mein Bienenvolk hat beim Hörtest von außen an der Beute ein lautes Summen hören lassen. Schrödingers Katze lebt! Jetzt muss nur noch schnell der Frühling kommen. Die ersten Winterlinge blühen jedenfalls schon…

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Nester mit muschelförmiger Oberfläche baut die Kurzkopfwespe. Das sind die mit dem Marmelade-Tick.

Weihnachtsbäckerei

Lebkuchen ohne Reue

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Weil die Frage schon aufkam: Die grünen Punkte sind keine Pistazienfragmente, sondern Brennnesselsamen. Die schmecken auch nussig.

Im Dezember hat der Garten Sendepause. Endlich Zeit, sich anderen Haupt- oder Nebensächlichkeiten zu widmen, zu denen man während der grünen Saison nicht kommt. Backen, zum Beispiel.

Das heutige Rezept schlägt mal wieder mehrere Fliegen mit einer Klappe: Es beendet die winterbedingte Flaute auf diesem Blog. Dann unterstüzt es mich beim Ausbau meiner kulinarischen Fähigkeiten, die sich bislang hauptsächlich auf die Herdplatten beschränkt und den Backofen geradezu sträflich vernachlässigt haben. Und drittens versorgt uns das Ergebnis mit leckeren Süßigkeiten, die sich sowohl als Geschenk, als auch als Stollen-Ersatz auf der Kaffeetafel eignen.

Muss denn Naschen Sünde sein? Die Antwort lautet: Ganz und gar nicht. Wenn man die einfachen Grundregeln „Kein Zucker“ und „Kein Getreide“ beachtet, ist man schon ziemlich weit auf der sicheren Seite. Und weil Herausforderungen das Leben bereichern, dürfen es statt schnöder Plätzchen gleich Lebkuchen sein. Eine Zutatenjagd mit zahlreichen Exoten auf der Einkaufsliste nimmt ihren Lauf. Sündenfrei Naschen kann ein klein wenig anstrengend sein.

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Zutatenliste nach Gusto abwandeln? Kein Problem. Ich bin auch vom Ursprungsrezept abgewichen, wie ein entgleisender Zug: „Ach, das könnte eigentlich auch noch rein!“ Hat man erst einmal angefangen, selbst zu experimentieren, gibt es kein Zurück mehr.

Zitronat und Orangeat gehören zur Weihnachtsbäckerei wie Kugeln an den Baum.Wie dumm nur, dass beides durch Zugabe exorbitant hoher Mengen Zucker zu den namensgebenden Früchten hergestellt wird. Das Ergebnis eines mehrwöchigen Experiments mit in Erythrit eingelegten Schalen, sieht man in der gelben Box im Vordergrund. Geschmacklich hat es definitiv überzeugt.

Und was kommt sonst noch rein?

  • 2 Eier
  • 150g Erythrit
  • „Zitronat“ und „Mandarinat“ aus jeweils 2 Früchten, 3 Wochen in Erythrit eingelegt und anschließend mit dem Mixer geschreddert
  • 1 Handvoll Walnusskerne, zerdrückt
  • 200g Haselnusskerne, gemahlen
  • 200g Mandelstifte
  • 200g Kokosmehl
  • 50g Kakaopulver
  • 100g Butter
  • 100g Kokosöl
  • 1 EL Pottasche
  • 2 TL Lebkuchengewürz
  • 1 EL Rum
  • 1 Fläschchen Bittermandelaroma
  • Vanille, Zimt, Nelken nach Geschmack
  • 7 cm Oblaten

Kokosöl und Butter erwärmen, Pottasche in etwas Wasser auflösen. Anschließend alle Zutaten zusammen für eine kurze Runde in den Mixer packen. Teig einige Stunden ruhen lassen. Teig auf Oblaten, Oblaten auf Backblech, Backblech in den Ofen. Dann etwa 20 Minuten bei 220°C mit Ober- und Unterhitze backen.

Für den untimativen Schokokick sorgt eine Tafel 85%ige Schokolade, die als Glasurersatz dient. Mit einem frischen Baustellenpinsel (Backexperten haben sicher einen richtigen Backpinsel parat) aufpinseln. Schokoladenverschmierten Topf dem Gatten zum Auslecken reichen. Lebkuchen abkühlen lassen. Fertig.

Frohe Weihnachten 2017!

Der Garten im November

Vier Garten-Aktionen, die in den nächsten Tagen auf dem Programm stehen

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So ein rauhes Herbst-Lüftchen kann doch einen gestandenen Stahl-Gockel nicht erschüttern!



Ein bisschen trostlos sieht er ja aus, der Novembergarten. Das Beet ist abgeerntet, die Gartenmöbel haben ihr Winterdomizil bezogen und die Wiese versinkt unter einer dicken Laubschicht. Kein Brummen, kein Zwitschern ist mehr zu hören. Die Natur geht in die Winterpause.

Natürlich würden der Gärtner und die Gärtnerin auch gerne die Füße hochlegen – im Optimalfall an einem prasselnden Kaminfeuer. Doch das scheitert bei uns an zwei entscheidenden Gründen: Zum einen haben wir noch gar keinen Kamin, in dem wir den Holzscheiten beim Brennen zusehen können. Und dann gibt es ja noch einiges zu tun, bis der Garten winterfest ist. Diese vier Aufgaben warten noch auf uns:

1. Laub rechen und umverteilen
Im Frühling konnte man ganz einfach erkennen, welche unserer Nachbarn schon aus dem Winterschlaf erwacht waren und welche nicht. In manchen Gärten sah es Ende Februar schon ziemlich aufgeräumt aus, in anderen lag noch das Laub auf dem Rasen.

Dabei ist die Grasfläche so ziemlich der einzige Ort im Garten, der nicht von einer Laubschicht profitiert. Auf den Beeten schützen die bunten Blätter empfindliche Pflanzenwurzeln und fungieren gleichzeitig als Mulchschicht. Auf dem Komposthaufen sorgen Sie ebenfalls für Abwechslung – und besonders feinen Kompost. Und weil das Ökosystem Kompost nicht zu viel Herbstlaub auf einmal verträgt, kommt der Rest auf einen großen Haufen in der Nähe, wo er kleinen Tieren als Winterquartier dient.

Und ja: Wir haben so viel Laub, dass es für alle drei Aktionen reicht. Mit 13 Birken auf 1.000 qm Fläche ist nicht zu spaßen!

2. Bäume pflegen
Und da dachten wir schon, wir könnten die Pinsel für dieses Jahr zur Seite legen – jetzt, da sämtliche Wände im Haus einen neuen Anstrich bekommen haben. Stattdessen bleibt das Thema „streichen“ hochaktuell. Nur ist diesmal nicht die Hütte die Empfängerin eines neuen Anstrichs. Nein, jetzt im Spätherbst sind die Obstbäume an der Reihe.
Der Baumanstrich schützt den Baum auf vielfältige Weise: vor Frostschäden, vor Schädlingen und vor anderem Ungemach, das einem Baum zustoßen kann. Auf der Nutzen-Seite steigert er die Fruchtbarkeit und heilt Wunden in der Rinde.

Den Gang in den Baumarkt kann man sich übrigens sparen. Baumanstrich kann man ganz einfach selbst herstellen, wenn man die folgenden Zutaten zur Hand hat:

• Wasser
• Lehm
• Tapetenkleister
• Kuhfladen
• Holzasche, Steinmehl
• Schachtelhalmbrühe

Man benötigt nicht alle Zutaten und darf ruhig auch mit den Mischverhältnissen experimentieren. Wir haben noch Asche in der Feuerstelle, Schachtelhalm im Gewürzregal und Tapetenkleister in der Werkstatt. Zusammen mit den Pferdeäpfeln vom Reiterhof gegenüber muss das für den Anstrich genügen.

 

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Melancholie am Wasser

3. Für die dagebliebenen Tiere sorgen
Noch immer ziert ein großer Haufen Bauabfall den Platz vor unserem Schlafzimmerfenster. Erst hatten wir wichtigeres zu tun, dann mussten wir uns von den Umbaumaßnahmen erholen – und dann war es eigentlich zu spät, um den Haufen noch zu entfernen. Mittlerweile dient er wahrscheinlich ziemlich vielen Klein- und Kleinstlebewesen als Winterquartier.
Tieren ist es nicht allzu wichtig, ob das Insektenhotel aus zertifiziertem Bio-Holz ist. Sie suchen ein Dach über dem Kopf, unter dem sie sicher überwintern können. So gesehen hat unsere Schutthalde einen gewissen ökologischen Nutzwert und darf nun guten Gewissens bis zum Frühjahr bleiben.

Ein Stockwerk darüber, im großen Kirschbaum, geht es noch ziemlich lebendig zu. Vogelfütterung ist ein kontroverses Thema. In unserem Garten und dem Naturschutzgebiet drumherum sollte es eigentlich genug Futter geben. Aber nachdem es in der Stadt auch Vögel gibt, die etwas mehr darauf angewiesen ist und das Herstellen von Meisenknödeln großen Spaß macht, kommen die Gartenvögel auch in den Genuss.

Man nehme:
Rindertalg oder Kokosfett, Sonnenblumenkerne, Haferflocken & Co. sowie Förmchen zum Gießen. Erlaubt ist was gefällt: eine alte Tasse, ein leerer Blumentopf….

Fett erhitzen, im Verhältnis 1:1 mit den Samen mischen, abkühlen lassen. Fertig!

Alte Tassen als Vogelfutterbehälter haben den Vorteil, dass man sie am Griff einfach an einen Ast hängen kann.

4. Barbarazweige schneiden

Am 4. Dezember ist Barbaratag. An diesem Tag ist es Brauch, einen Kirschzweig zu schneiden und ins Wasser zu stellen. Blüht er zu Weihnachten, ist Fortuna uns im nächsten Jahr hold.

Glück gehabt! Wir haben zwei eigene Kirschbäume im Garten und in der Ecke mit der Feuerschale wächst ein dritter vom Nachbargrundstück zu uns herüber. Die Sache mit der Herkunft des Kirschzweiges ist also geritzt.
Bleibt die Frage: Kann man dem Glück auf die Sprünge helfen und den Blüten ein bisschen Unterstützung bieten?

Ja, das geht, sagt die Trickkiste, die sich Internet nennt.
Kirschzweige brauchen einige Tage Frost, damit sie das Gefühl haben, dass der Winter hinter ihnen liegt. Klimaerwärmung sei Dank, kann das bis zum 4. Dezember schon mal schwierig werden. Auch in diesem Jahr stehen die Chancen schlecht. Die letzte Novemberwoche läuft und es ist noch immer kein Frost in Sicht.

Was hilft? Einige Tage in der Tiefkühltruhe sollten den Kirschzweigen einen Motivationsschub verpassen. Am besten schlägt man sie danach in Zeitungspapier ein und legt sie eine weitere Nacht in die lauwarme Badewanne. Damit sollte der Kirschblüte zum Weihnachtsfest eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Gärtnerinnen unter sich

Kännchen statt Gießkanne

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Noch ist der Tisch leer. Aber das soll sich schnell ändern…

Was tut die (noch recht frischgebackene) Gartenbloggerin in der kühlen Jahreszeit? Treibt sie sich auf abgelegenen Weihnachtsmärkten herum? Plant sie bereits die Arbeiten für die nächste Gartensaison? Trifft sie sich am Ende gar mit Gleichgesinnten, um sich über einer Tasse extra-starken Kaffees der Fachsimpelei hinzugeben?

Ist doch toll, wenn man sich bei dieser breiten Auswahl nicht entscheiden muss, sondern einfach alle Fliegen mit einer Klappe schlagen kann. Und schon sitze ich in der S-Bahn nach Dahlem und bin auf dem Weg zum 1. Gartenstammtisch Berlin-Brandenburg, zu dem Xenia vom Blog Berlingarten eingeladen hat.

Was mich erwartet, weiß ich nicht. Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Immerhin muss ich gestehen, dass mein Garten in diesem Jahr eher zufällig die ein- oder andere Obst- und Gemüseernte abgeworfen hat. Gießen musste ich gar nicht und dass ich etwas zum (ver-) graben hatten, ist nur unseren Nachbarn zu verdanken, die uns einen Teil Ihrer Staudenknollen über den Gartenzaun gereicht haben. Unser Fokus in der Gartensaison 2017 lag ganz solide auf dem „Renovieren“.

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Weihnachtskitsch für Anspruchsvolle: Wer Dekoobjekte liebt, ist in Dahlem definitiv richtig

In der Königlichen Gartenakademie Dahlem kann man nicht nur gemütlich zusammensitzen, es weihnachtet auch schon sehr – und das im November! Außerdem öffnet das Zusammensitzen mit Gleichgesinnten die Augen und das Herz. Das Blogportfolio erweitert es noch dazu:

Da wäre zum Beispiel Renates Ikebana-Blog, Steffis Blog Frau Pratolina, der neben Gartentipps auch Genähtes und Gebackenes zu bieten hat und natürlich der Hauptstadtgarten-Blog von Caro, der – wenn ich mich recht erinnere – der erste Gartenblog war, den ich mir einst ergooogelt habe.

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Kaufen macht glücklich! Gilt auch für Blumenzwiebeln.

Anregungen für die kommende Saison gibt es natürlich auch. Im kommenden Jahr wird das „Graben“ definitiv wieder einen höheren Stellenwert einnehmen, soviel ist klar. Wer könnte diesen prall gefüllten Papiertüten voll Gartenglück widerstehen? Ich konnte es jedenfalls nicht. 2018 kann kommen! Und der nächste Gartenstammtisch bitte auch! Gern dann auch reihum in den jeweiligen Gärten. Am Besten lernt man schließlich immer noch beim „über-die-Schulter-gucken“ – und nicht am Kaffeetisch.

 

 

Kombucha, Kefir & Co.

Wir haben da einen im Tee!

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Platz da! Zum Glück haben wir nach der Renovierung jetzt zwei funktionierende Küchen. In unserem Haus am See ist der Kombucha auch schon längst heimisch.

Eines schönen Tages stand unser Freund Stefan aus Leipzig in der Tür und hielt in seinen Händen ein großes Glas. Darin schwappte eine bräunliche Brühe, auf deren Oberfläche ein beige-rosiges Etwas dümpelte, das entfernt an eine Qualle nach einem missglückten Landgang erinnerte. Und schon war es geschehen: Der Kombuchapilz nahm Einzug in unsere Küche.

Genau genommen ist das, was da oben schwimmt, gar kein Pilz, sondern eine sybiotische Kolonie von Hefen und Essigsäurebakterien. Aber „Pilz“ klingt letztendlich doch irgendwie appetitlicher. Seitdem er da ist, haben wir auch wieder Zucker im Schrank, denn das ist der Treibstoff für die Magie, die er entfaltet. Die natürliche Lebenswelt des Scobys (Symbiotic Culture Of Bacteria and Yeast), wie die glibberige Scheibe im Fachjargon heißt, ist nämlich ein stark gesüßter Tee.

Natürlich blieb unser Kombucha-Glas nicht lange alleine: Nach der Paleo Convention im Sommer fand sich ein vergessenes Starterset Wasserkefir im Kühlschrank. Auf die Frage „Wohin mit den kleinen Kristallen?“ konnte die Antwort nur lauten: „Ab damit in ein großes Glas!“

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Wasserkefir ganz klassisch angesetzt: Zucker, Trockenfrüchte und Zitronen

Nähern wir uns also der Materie von der praktischen Seite:

Womit süßen?

Auf fast jeder Seite, die sich mehr oder wenig professionell mit fermentierten Drinks auseinandersetzt, findet man lange Listen mit verschiedenen Süßmitteln. Arbeitet man sie durch, kommt man am Ende wieder bei Zucker heraus. Ob man den weißen Haushaltszucker verwendet oder braunen Rohrzucker verwendet ist Geschmacks- und Ansichtssache. Flüssige Süßmacher, wie Honig oder Melasse taugen bestenfalls als Beimischung. Zuckerersatzstoffe von Stevia bis Erythrit finden Scoby und Kefirkristalle ungenießbar. 80 bis 100 g Zucker pro Liter sind übliche Mengen.

Welcher Tee?

Bei der Zusammenstellung der Aufgussmischung darf man wesentlich kreativer ans Werk gehen, als bei der Wahl des Süßstoffs. Grüner oder schwarzer Tee sollten jedoch in jedem Fall dabei sein. Auch die persönlichen Lieblingskräuter dürfen mit in den Tee. Bei uns sind das zum Beispiel Brennessel, Ginkgo und Zitronengras. Früchtetees sind ebenfalls erlaubt. Nur bei Pflanzen mit einem hohen Anteil ätherischer Öle ist Vorsicht geboten. Aber auch hier macht die Dosierung das Gift.

Wozu Obst?

Auf den Fotos deutlich zu erkennen: Im Wasserkefir-Glas schwimmen Zitronenscheiben und auf den Kristallen liegen dunkle Kugeln, die verdächtig nach Trockenpflaumen aussehen. Wasserkefir braucht Früchte als Stickstoffquelle. Der Klassiker sind Feigen, aber im Prinzip sind alle Sorten Trockenobst und sogar frische Früchte denkbar. Erlaubt ist, was das Vorratsregal hergibt – vorausgestzt, das Obst ist ungeschwefelt. Das mögen die Kulturen nämlich nicht so gerne. Wer auf Nummer Sicher gehen will, holt sich (so wie wir) ein Dörrgerät ins Haus. Praxistipp: Je größer die Früchte sind, desto einfacher hat man es später, wenn man sie wieder herausfischen muss. Das habe ich aus meinem letzten Experiment mit Goji-Beeren gelernt. Und: Die nächste Holunderblüte kommt bestimmt!

Beim Kombucha lautet das magische Wort „Zweitfermentierung“. Hier kommt Obst erst dann ins Spiel, wenn das fertige Getränk bereits in Flaschen abgefüllt ist. Dabei entsteht Kohlensäure, es wird also sprudeliger. Und falls man auf die Idee kommt, bei diesem Prozess nochmals Zucker beizumischen, kann auch der Alkoholgehalt deutlich steigen. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt…

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Unser Dritter im Bunde: Milchkefir zwischen zwei Arbeitseinsätzen

Und warum eigentlich?

Wäre ja noch schöner, wenn man Forschungsgelder in ein Produkt investieren würde, das Jedermann und jede Frau in der heimischen Küche selbst herstellen kann. Wo für die Pharmaindustrie kein Profit zu machen ist, hinkt die Wissenschaft naturgemäß hinterher. Auch aus diesem Grund ist es streng verboten, an dieser Stelle Gesundheitsversprechen abzugeben. Vielleicht zahlt sich der Versuch, die träge Verdauung, das schwächelnde Immunsystem oder den Stoffwechsel mit Hilfe von fermentierten Getränken auf Trab zu bringen, aus. Vielleicht auch nicht. Warum nicht einfach einen Selbstversuch wagen? Im fernen Osten setzt man jedenfalls schon seit Tausenden von Jahren auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Kombucha-Tees.

Was ihm alles nachgesagt wird? Antioxidativ (Polyphenole!), antibakteriell und blutzuckerregulierend soll er sein. Organische Säuren, Enzyme, Vitamine (darunter das bei Veganern begehrte B12!), Mineralstoffe und Spurenelemente schwimmen umher. Und das Wichtigste: Er schmeckt gut! Bei uns hat sich eine Mischung aus selbstgemachter Zitronenlimonade (Mineralwasser mit Kohlensäure, Erythrit nach Geschmack und Zitronensaft) durchgesetzt, die dann mit einem Glas Kombucha oder Wasserkefir pro Liter verfeinert wird.

Selbstverständlich darf in einem Küchenbeitrag ein Rezept nicht fehlen. Wie wäre es zum Beispiel mit diesem Ansatz, den unser Kombucha ziemlich gerne mag und der auf die Größenordnung eines 5-Liter-Glases zugeschnitten ist?

 

  • 15 g grüner Tee
  • 15 g schwarzer Tee
  • 10 g Zitronengras
  • 10 g Ginkgo-Tee
  • 200 g Rohrzucker
  • 100 ml Holundersirup

Zwei Wochen ziehen lassen, abfüllen und genießen.

Wer in unserer Nähe wohnt, ist herzlich eingeladen, sich einen Ableger unseres Scobys oder der Kefirkristalle abzuholen. Für alle anderen gibt es zum Beispiel das Rundum-Sorglos-Paket
mit biozertifizierten Zutaten als (Achtung: Gleich kommt ein Affiliate-Link!) Original Kombucha Set mit vitalem Kombuchapilz und Starter für bis zu 3 L pro Ansatz mit einfacher Anleitung, Rezept und Erfolgsgarantie von Fairment® – inclusive Scoby, Glas und Gelinggarantie.

 

 

 

 

 

In Feierlaune

Nach der Arbeit kommt das Vergnügen

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In kleinen Häusern darf jedes Möbelstück gern mehrere Funktionen haben. Hier: Tisch, Stauraum für Bettzeug und Fußbank

Wer gemütlich die Beine hochlegen will, ist bei uns mittlerweile an der richtigen Adresse. Die große Kiste, in der das Gästebettzeug auf seinen ersten Einsatz wartet, hat nämlich genau die richtige Höhe. Baustelle war gestern. Wir wohnen jetzt! Natürlich kann man an allen Ecken und Enden noch Stellen finden, die auf einen Pinselstrich Farbe warten, aber zum Glück warten sie geduldig und ohne Murren.

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Unter dem Ecksockel verlaufen unsere Heizungsrohre, darüber wachen gute Geister

Unser fleißiges Helferteam hat erzählt, sie hätten schon Bauherren weinend zusammenbrechen sehen. Dieses schwere Schicksal blieb uns zum Glück erspart. Vielleich liegt es ja daran, dass unser Haus nur knapp 50 qm groß ist. Ist der Mittelweg zwischen Glück und Wahnsinn am Ende nur wenige Meter schmal?

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Noch kann man Gitarre spielen, ohne dass es wegen der fehlenden Heizung viel zu kalt dafür ist.

Nachdem die Umzugskisten ausgepackt sind und die ersten Bilder an der Wand hängen, bewegt sich die Aufmerksamkeit wieder hin zu ganz alltäglichen Aufgaben.

Was die Wasserversorgung angeht, haben wir auf unserem Grundstück einen weitgehend geschlossenen Kreislauf: Alles was wir hineingeben, landet früher oder später über den Weg durch die Sickergrube, den Komposthaufen und das Gemüsebeet wieder auf unserem Teller. Das schließt die Verwendung von handelsüblichen Reinigern und Haushaltsmitteln aus.

Mit uns zusammen hat daher dieses schlaue Buch Einzug gehalten, das uns zum Beispiel verrät, wie wir selbst Spülmaschinenpulver herstellen können, das sowohl biologisch abbaubar, als auch deutlich günstiger ist, als die bunten Power-Tabs, die uns die Procter & Gamble, Henkel und Co. andrehen wollen. Den Praxistest in der Spülmaschine – ein bisschen Luxus in der neuen Küche darf ruhig sein – hat das selbstgemixte Pulver bereits bestanden.

Wer sich das Buch kaufen möchte, darf gern auf den Affiliate-Link unter dem Bild klicken, und uns damit Nachschub an Kernseife, Soda, Natron und anderen Nützlichkeiten bescheren. Man kann mit den fünf Hausmitteln nämlich auch Zahnpasta herstellen, den Marder vom Auto fernhalten oder die Wäsche weichspülen. Und das probieren wir natürlich alles demnächst aus.

Herbstfinale

Baustopp muss auch mal sein

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Neue Einblicke

Da ist es also, unser neues, altes Wohnzimmerfenster, das einmal ein Küchenfenster war. Ein nagelneues Glas hat es bekommen, weil eine der beiden Scheiben beim Abschleifen zu Bruch gegangen ist. Seitdem wissen wir, dass es ein Fenster in „DDR-Standartgröße“ ist, wie uns der Glasermeister in Bernau erzählt hat.

Vor dieser Aktion hätte ich nie geglaubt, dass man Fenster und Türen so passgenau aus- und wieder einbauen kann, wie man es hier sehen kann. Nicht einmal neuer Anstrich für die Hausfassade ist nötig. Man könnte fast denken, dass sich das Fenster schon immer an dieser Stelle befunden hat – wenn man es nicht besser wüsste.

Heute bekommt es den letzten Feinschliff in Form von Putz, Silikon und ein bisschen weißer Holzfarbe, damit es auch dicht hät. Und das ist auch höchste Zeit. Wie man an den gelben Birkenblättern auf dem Fensterbrett sehen kann, ist es mittlerweile  schon äußerst herbstlich. Der Winter steht bald schon vor der Tür. Und der nächste Sturm lässt sicher auch nicht mehr allzu lang auf sich warten.

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Wer braucht da noch selbstgebastelte Insektenhotels von Menschen?

Das wissen auch die Tiere. Zugvögel kreisen über dem See und machen sich abflugbereit für den langen Weg nach Süden. Das Bienenvolk mag es nicht mehr so gern, wenn man ihm zu nahe kommt. Mittlerweile ist jeder verdächtig, ein potenzieller Honigräuber zu sein, auch der Imker, der eigentlich nur noch an die Beute kommt, um die Futtertaschen aufzufüllen. Alle anderen Krabbler und Kriecher sind weitgehend verschwunden. Wahrscheinlich haben sie es sich längst in einem natürlichen Insektenhotel, wie dem alten Baumstumpf am Gorinsee, gemütlich gemacht.