Vom Garten zum Bienengarten

Ein Bienenvolk zieht um

 

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Allein auf weiter Flur

Als ich vor vielen Jahren nach Berlin kam, umfasste mein Hab und Gut auch 5 Terrarien mit Vogelspinnen. „Auf gar keinen Fall nehmen wir die im Umzugswagen mit!“ rief der kleine Trupp Umzugshelfer wie aus einem Mund. „Nicht dass noch eine ausbüxt und hinten auf der Ladefläche herumkrabbelt.“ Und so kam es, wie es kommen musste: Ich fuhr den ganzen Weg von Mannheim bis Berlin allein im Auto hinter dem Umzugswagen her. Nur die Vogelspinnen leisteteten mir ihre stumme Gesellschaft.

Rund 13 Jahre später fand ich mich in dieser Woche zum zweiten Mal in diesem Leben mit wehrhaften Tieren auf dem Rücksitz auf der Autobahn wieder. Während ein Terrarium nicht so einfach aufgehen kann, sollte man für den Umzug der Bienenbeute den ein oder anderen Spanngurt zur Hand haben. Und natürlich Schaumstoff und Klebeband, um das Flugloch während der Fahrt zu verrammeln…

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Der Umzugswagen ist da!

Jetzt im Herbst haben die Bienen alle Hände voll zu tun, um sich für den Winter fit zu machen. Nur ein starkes Volk mit reichlich Vorrat kommt gut durch die kalte Jahreszeit. An beiden Punkten haben meine Damen noch zu arbeiten. Aber hier am Gorinsee sieht man selten Bienen. Die Konkurrenz an der Blüte dürfte also nicht übermäßig groß sein. Und den Trog mit dem Zuckerwasser in der Arbeitszarge haben sie auch sofort entdeckt und das klebrige Zeug abtransportiert. Wir werden sehen, wie sich die Lage im Sock bis zum Wochenende entwickelt hat. Dann wird nämlich zum ersten Mal nachgeguckt.

Honig liefert ein Jungvolk wie dieses im ersten Jahr eher selten. Dafür bringt die Arbeit mit Bienen automatisch Kontakt zu anderen Imkern mit sich, denen man ein Glas abkaufen kann. Zum Beispiel, um daraus Bärwurz-Birnhonig zu machen, nach dem Rezept von Hildegard von Bingen. Dazu braucht man:

  • ein Kilo Birnen,
  • sechs Esslöffel Honig
  • 25 g Bärwurz
  • 20 g Galgantwurzel
  • 15 g Süßholzwurzel
  • 10 g Bohnenkraut

Birnen halbieren, Kerngehäuse entfernen und weichkochen. Wasser abgießen und Birnen pürieren. Nacheinander Honig und Kräuter dazugeben. In Gläser abfüllen. Fertig.

 

Gelöffelt wird der Bärwurz-Birnhonig nüchtern am Morgen, nach dem Mittagessen und vor dem Zubettgehen: Erst einen, dann zwei und am Abend schließlich drei Teelöffel. Er hilft bei der Entgiftung des Körpers, unterstützt die Darmsanierung und stärkt die Abwehrkräfte.

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt aber Kirschblüte!

Kaum ist man mal zwei Wochen nicht da, …

Es weißt so weiß!

… schon blühen die Bäume im Garten, was das Zeug hält! Gibt es was schöneres als die Kirschblüte? Wir sehen unsere Bäume zum ersten Mal in strahlendem Weiß.

Leider haben wir noch keine eigenen Bienen, sonst könnte man den Kirschenertrag vermutlich noch steigern. Das wird sich in den kommenden Jahren aber definitiv ändern. Bis dahin machen die Hummeln die Arbeit. Die gute Nachricht: Alle Pflanzen, die wir zuletzt in den Boden gesetzt haben, sind angegangen. Sogar die Bärlauchpflänzchen unter dem Kirschbaum. Timurs neuer Birnbaum treibt auch schon fleißig aus. Und – das Highlight – der Farn den ich im letzten Sommer in einem anderen Garten geschenkt bekommen habe, hat sich auch eingelebt.

Was für ein Job: So viele kleine Blüten!

Letztes Jahr waren noch kaum Nesseln im Garten. Dieses Jahr sind sowohl Taubnesseln als auch Brennesseln da. Weil die zu unseren Lieblingspflanzen gehören, dürfen sie auch bleiben. Zum Glück haben sie sich Plätze ausgesucht, die nicht zu den bevorzugten Stellen für den Gemüseanbau gehören.

Wie sich herausstellt, ist der Wurmkomposter der perfekte Ort, um Samen vorkeimen zu lassen. Man schmeißt einfach seine Gemüseabfälle hinein, schaut nach ein paar Tagen nach, ob kleine Plänzlein ihre Köpfe recken und setzt die dann in Mini-Gewächshäuser auf der Fensterbank um. Samenengpass gelöst. Tomaten, Kürbisse und Paprika haben wir auf die Art schon vorgezogen. Fehlt eigentlich nur noch das Ende der Nachtfrostperiode in Berlin und sie können nach draußen umziehen. Nächstes Jahr muss das Gewächshaus unbedingt eine Tür bekommen.

Ach ja: Weil die Bärlauchpesto-Voräte für das kommende Jahr bereits gedeckt sind, mussten neue Ideen her:

Grünes Glück für den Kühlschrank

Zum Beispiel Pesto aus Brennesseln, Giersch, Löwenzahn und dem Kraut der Karotten vom Wochenmarkt links ( abgeschmeckt mit Salz, Pfeffer, Pul Biber, Cardamom und Kurkuma ) und Bärlauchbutter mit ein bisschen Salz rechts.

 

 

Ein Birnbaum in seinem Garten stand….

Jetzt ist aber genug mit Bäumen!

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Wachse und gedeihe!

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit

Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

Ihr Kinderlein kommet! Wir haben auch bald Birnen!

Angeblich soll der kleine Kerl schon im ersten Jahr Früchte tragen – behauptet zumindest der Pflanzenversand. Bei uns im Garten stehen ja schon nicht zu knapp Obstbäume herum: mehrere Sorten Äpfel, Pflaumen, Süß- und Sauerkirschen, Zwetschgen und sogar Pfirsiche konnten wir im letzten Jahr ernten. Nur ein Birnbaum war noch nicht darunter. Jetzt schon. Hoffentlich lebt er sich gut ein.

Insekten, die die Bäume bestäuben, gibt es in unserer Siedlung zuhauf. Letztes Jahr hat sich sogar eine Hornissen-Kolonie auf unserem Gelände eingenistet. Aber das nutzt alles nichts, wenn kein zweiter Birnbaum in Flugnähe ist. Ob das der Fall ist, wissen wir nicht. Was kann man also tun? Einen Binenduo-Baum pflanzen, der zwei Sorten gleichzeitig trägt, den Bienen etwas mehr Abwechslung bereitet und uns hoffentlich zu vielen saftigen Früchten verhilft.

Die letzten Bäume und Sträucher, die wir im Herbst gepflanzt haben, sind übrigens gut angegangen. Holunder und Weißdorn fangen gerade an, auszuschlagen. Das lässt hoffen!

Was heute noch so in die Erde kam: drei Rosenstöcke, ein Heidelbeer-Strauch unter die Nadelbäume und einige Bärlauch-Pflänzchen, die ich aus Versehen mit Zwiebel aus der Erde gezogen habe und die jetzt unter den Kirschbaum neben dem Gewächshaus ein neues Domizil gefunden haben.

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Viele kleine Zweige ergeben auch ein großes Feuer!

Und natürlich bot es sich am Spätnachmittag an, ein kleines Feuer mit dem vielen Birkenreisig zu entzünden, der gerade auf einem Haufen neben der Feuerstelle herumliegt. Das erste von hoffentlich vielen in diesem Jahr! Wenn die Birken weiter so fleißig Zweige abwerfen, sind wir für einige Wochen versorgt.

Der Haus-Holunder ist gepflanzt

Frau Holle lässt grüßen!

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Was für eine schicke, orange Reisetüte!

Unser Garten ist gut bestückt: Neben zwei Kirsch- und zwei Pflaumenbäumen, mehreren Apfelbäumen und sogar einem Pfirsichbaum, stehen mehr als ein Dutzend Birken ums Haus herum – ganz zu schweigen von den vielen Beerenbüschen, die uns in den vergangenen Monaten gut versorgt haben. Nur was die traditionellen Wildgehölze angeht, besteht Aufholbedarf. Ganz besonders fällt auf: Es gab keinen Haus-Holunder. Bis jetzt!

Im vergangenen Jahr hatten wir das große Vergnügen, ein Wochenendseminar mit dem großartigen Wolf-Dieter Storl besuchen zu dürfen. Es gibt wohl wenige Leute im deutschsprachigen Raum, die so gut über Pflanzen, ihre Geschichte, ihre Heilwirkung und um die Sagen und Legenden Bescheid wissen, wie der Ethnobotaniker und Kulturanthropologe aus dem Allgäu. Natürlich kamen wir auf unserem Streifzug über die Wiesen auch an einem mächtigen Holunderstrauch vorbei.

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Mitten auf der Wiese aber nah genug am Nachtbarsgrundstück um später mal für Sichtschutz zu sorgen!

Unter dem Holunder öffnet sich die Tür zur Unterwelt, zum Reich der Erdgöttin, auch als Frau Holle bekannt. Der Hausholunder gilt auch als Wohnstatt der verstorbenen Ahnen, die an seinem Fuße mit Milch, Brot oder Bier gefüttert werden. Und: Für die Landbevölkerung früherer Zeiten zählte er zu den wichtigsten Heilpflanzen. Aus den Blüten kann man zur Sommersonnenwende einen Tee brauen, der das Immunsystem gegen viele Krankheiten stärken soll. Saft und Sirup der Beeren helfen dabei, gut und vitaminreich über den Winter zu kommen. Wer kann da schon widerstehen?

Weitere Informationen zum Holunder? Wolf-Dieter Storl: „Pflanzen der Kelten“, AT-Verlag, Aarau, Schweiz, S.212 ff.