Rechtsaußen

Schön geworden, diese Hausseite!

Die Nachbarn nennen das Vordach „die Muschel“.

Die Hauptaufgabe dieses Blogs besteht darin, uns als Gedächtnisstütze zu dienen: Weißt du noch, wie unser Haus früher mal ausgesehen hat? Was befand sich eigentlich an dieser Stelle, bevor wir umgebaut haben?
Nicht alles haben wir für die Ewigkeit festgehalten. Zum Beispiel gibt es kein Foto von unseren Gesichtern beim Verdauen der Information, dass die einstmals zugerümpelte Ecke hinter dem Haus aus Feng Shui-Perspektive unsere Beziehungsecke ist. (Aktuell ist diese Ecke mal wieder zugerümpelt, aber dazu in einem späteren Beitrag mehr.)

Vergleichsweise gut dokumentiert ist dagegen die Verwandlung der rechten Hausseite. Dort, wo sich jetzt eine schicke Tür öffnet, befand sich früher ein Fenster. Vor dem Fenster stand eine Zeitlang eine alte Pool-Leiter, über die wir rausgeklettert sind, wenn wir schnell vom Haus in die Werkstatt wollten. Die Alternative war nämlich: ums ganze Haus herum zu laufen. Beides – der Weg ums Haus und die Leiter – waren auf lange Sicht zu unpraktisch. Eine Tür musste her!

Mind the gap between platform and train….
 

Was waren das für Aktionen: Allein im Vordach steckt eine dreiviertel Tonne Zement! Das Mosaik brauchte mehrere Anläufe, kostete viele Nerven und verhalf zur Lernerfahrung, dass Fliesenkleber großzügig verarbeitet werden muss oder die Fliesen gehen wieder ab.
Zum Schluss ging dann alles ganz schnell: Regal bei einem Umzug gefunden, zurechtgesägt und unters Vordach geklemmt. Ein bisschen Farbe für Hauswand und Dach und ein kleiner Nagel für die Sperrmüll-Sonne, die wahrscheinlich früher mal ein Kinderzimmer beschienen hat.
Fertig!
Diese Hausseite darf auf unbestimmte Zeit so bleiben, wie sie jetzt ist.

 

Wir sonnen uns lieber!

Davon völlig unbeeindruckt zeigen sich die Bewohner der linken Seite des Gartens. Die Baumarkt-Plastikwanne, die uns als Gartenteich dient, hat in diesem Jahr gleich drei amphibische Bewohner angelockt. Ob sie der Name dieses Blogs gestört hat und sie sich langfristig den Plural erkämpfen wollen? Die Zeit wird es zeigen….

Pretty in Pink

Was blüht denn da?

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Wimmelbild am Straßenrand

Rasenmähen zählt ganz klar nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen unter den Gartenaktivitäten. Zu laut, bei 1.000 qm nicht wirklich ein Spaßfaktor und außerdem steht hinterher keine Blume mehr. Dumm für die Insekten. Im vergangenen Jahr haben wir deshalb das Experiment gewagt, komplett aufs Rasenmähen zu verzichten. Daraus ließen sich drei Erkenntnisse gewinnen:

  1. Gras und Wiesenpflanzen erreichen nur eine gewisse Höhe und wachsen nicht über unsere Köpfe.
  2. Neuen wilden Pflanzen gelingt es, bei uns Fuß zu fassen und sich zu verbreiten.
  3. Erstaunlich viele davon blühen pink-rosa-violett

Eine dieser Pflanzen ist das Gefleckte Lungenkraut Pulmonaria officinalis (auch bekannt als: Lungenwurz, Echtes Lungenkraut, Arzneilungenkraut, Fleckenkraut, Blaue Schlüsselblume, Fuchslungenkraut, Hirschmanngold, Unsere-lieben-Frauen-Milchkraut, Hirschkohl, usw.). 2019 bin ich ihm in unserem Garten zum ersten Mal begegnet und in diesem Jahr ist es bereits in mehreren Ecken zu finden.

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Aus Rosa wird Blau. Vorne lugt schon ein zartes Waldmeisterpflänzchen ins Bild.

Zum Frühlingsanfang, wenn auf der Wiese noch nicht allzu viel blüht, ist die hübsche Pflanze mit den violetten Blüten und den auffällig getupften Blättern kaum zu übersehen.

Pulmo ist das lateinische Wort für Lunge. Mit etwas Fantasie kann man die weiß getupften Blätter als Lunge mit ihren Bläschen interpretieren. Und so wundert es nicht, dass das Lungenkraut in der Volksmedizin – neben Blasenleiden und der Wundheilung – hauptsächlich als Tee bei Halsschmerzen, Heiserkeit, Erkältungskrankheiten und Husten zum Einsatz kommt.

Und nein, ich bin nicht etwa farbenblind. Junge Lungenkraut-Blüten sind rosafarben und wechseln erst später in das leuchtendes Blau. Der Ph-Wert des Zellsaftes verändert sich im Lauf des Erblühens von sauer nach basisch und sorgt für die wechselhafte Blütenfärbung. Beweis: Der kleine Nachzügler rechts unten im Bild.

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Hummeln willkommen!

Ein zuverlässig wiederkehrender Mitbewohner im Garten ist die Purpurrote Taubnessel Lamium purpureum. Dort, wo man sie nicht jätet, wächst sie ziemlich häufig, in diesem Jahr fast schon flächendeckend. Das freut Insekten und Menschen. Bienen und Hummeln sind auf Frühblüher wie die kleine, genügsame Taubnessel angewiesen. Zum Glück treibt sie immer wieder aus, so dass wir den Krabblern im Frühling einfach den Vortritt lassen und uns dann später im Jahr bedienen. Als Heilpflanze ist die Taubnessel in der Frauenheilkunde zuhause, sie regt die Nieren an und macht sich auch auf dem Speisezettel äußerst gut – z.B. im Salat, im Smoothie oder in der Suppe. Aus den kleinen Blüten kann man sogar einen Sirup kochen.

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Erst nach der Blüte zeigt das Silberblatt, woher es seinen Namen hat.

„Die Bestände umfassen häufig eine beträchtliche Zahl von Einzelpflanzen“, kann man bei der Recherche über Lunaria annua L., dem Einjährigen Silberblatt nachlesen. Diese Aussage lässt sich mit einem Blick über den Gartenzaun bestätigen. Während sich zu uns in den Garten nur ein paar vereinzelte Pflanzen verirrt haben, sieht es auf der anderen Seite des Waldweges ganz anders aus.

Ursprünglich aus Südosteuropa „eingewandert“, gilt das einjährige Silberblatt in Deutschland als Neophyt mit Status „auf dem Weg zur Einbürgerung“. Deshalb ist es auch nicht in unserer Kräuterheilkunde zu finden. Der Neuankömmling ist jedenfalls schon jetzt häufiger, als sein einheimischer Verwandter Lunaria rediviva L.

Später im Jahr soll das Silberblatt dann seinem Namen alle Ehre machen. Dann trägt es seine Samen in einer silbernen, scheibenförmigen Schote zur Schau, die ihm  Beinamen wie Silbertaler oder Judas-Silberling. Mit denen sät es sich dann eigenständig wieder aus. Sehr wahrscheinlich also, dass wir in den nächsten Jahren noch mehr von den leuchtend violetten Blüten zu sehen bekommen.

Sommerhaus zwischen Corona und Bauarbeiten

Merkwürdige Zeiten im Jahr 2020

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Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) übernimmt bis auf weiteres den Garten.

3 – 2 – 1…. Frühling! In der kommenden Woche soll es endlich dauerhaft über 10 Grad warm werden. Das heißt: Unser kleines Haus wird langsam bewohnbar. Viel länger hätte es nicht dauern dürfen und das hat zwei konkrete Gründe:

1. Die Bauarbeiten im Haus unserer Stadtwohnung erreichen demnächst das Stockwerk über uns. Was bislang ein verschlafener, leerstehender Dachboden war, wird dann eine laute Baustelle.

2. Die Ereignisse rund um den weltweiten Ausbruch des Corona-Virus COVID-19 überschlagen sich. Unser ganzes Leben spielt sich momentan in den eigenen 4 Wänden ab. Wenn dort allerdings Baustelle ist, hat man insbesondere arbeitstechnisch Pech gehabt. Und so rettet uns unser kleines Haus am See in den kommenden Wochen zumindest die Nerven.

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Nachdem der Nachbar seine Bäume gestützt hat, haben wir einen guten Blick aufs Feld nebenan. Dort macht sich bereits die erste Getreideernte startklar.

Etwas schlauer sind wir auch wieder geworden: Die Imkerei gilt als systemrelevant und die Bienen dürften auch dann versorgt werden, wenn es zu einer Ausgangssperre käme. Dazu eine Stellungnahme des Deutschen Imkerbundes.

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Wo gehts zur Rapswiese?

Eines der Bienenvölker hat in den langen Wintermonaten Federn gelassen. Viel mehr Bienen als auf dem Foto sind nicht mehr übrig. Wir zählen die Tage bis der Nektar endlich in Strömen fließt und feuern das schwache Volk an: „Jetzt habt ihr es durch den langen Berliner Winter geschafft, haltet noch ein paar Tage länger durch!“

Ebenfalls nur noch ein paar Tage dauert es, bis Timurs Buch zu kaufen ist. Wahrscheinlich ist es gar schon erhältlich, wenn du dies liest. Wer sich ein Exemplar sichern will, kann das zum Beispiel direkt über den Verlag tun. Die Buchhandlung an der Ecke hat ja – Corona sei geschimpft! – momentan leider geschlossen. Dafür hat man umso mehr Zeit, mal wieder ein Buch zu lesen.

Damien Wynne und Ernst Timur Diehn: Entdecke den Himmel auf Erden

So weit ist es gar nicht bis in den Himmel…. Wie jedes Buch mit Eso-Inhalt, das etwas auf sich hält, ist auch Timurs Buch strikt in Rosa/Lila/Blau gehalten.

Wir haben uns vermehrt!

Mehr Menschen und mehr Bienen

Beuten

Insgesamt 4 Völker sind in diesem Jahr in die Winterpause gegangen. Der große Turm rechts sind nur Beutenteile.

Zwei Hände schaffen viel, vier Hände schaffen mehr, ein ganzes Dutzend oder mehr Hände schaffen jede Menge – und das an allen Ecken und Enden. Im Frühjahr 2019 haben wir einen Schlüsselmacher gefunden, der unseren Torschlüssel nachmachen konnte. Nach zuverlässigen Menschen, die unser Grundstück teilen wollten, brauchten wir nicht lange suchen. Und es erweist sich als echter Segen, wenn das Feuer schon brennt, wenn man aufs Gelände kommt und die Bäume im Frühjahr von kundiger Hand beschnitten werden. Wie man sieht haben sich auch die Bienen stark vermehrt und haben ein gemeinsames Domizil hinter dem Haus bezogen.

Arbeitstechnisch ging auch einiges voran. Die kleine Veranda vor der Küchentür wurde mit vereinten Kräften Mosaik-gefliest. Und die große Metallketten-Schaukel hat jetzt ein Polster bekommen. Das war mal eine Schaumstoffmatratze, die auf der Straße entsorgt und von uns gefunden wurde. In drei Teile zersägt und von der Schneiderin mit einem schicken Bezug versehen, ist es dort jetzt so richtig gemütlich. Das meint auch der Hausherr…

Schaukel

Dösen!

Fehlt eigentlich nur noch der nächste Frühling, damit der Garten wieder aus dem Winterschlaf erwacht. Wir können es jetzt schon kaum erwarten!

Blog-Faulheit

Wenigstens ein Sammel-Update

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Solange die Sonne scheint, blüht es im Garten. Beweisfoto vom 4.November.

Rose gefällig, lieber Leser? Schön, dass du diesem Blog die Treue gehalten hast, obwohl hier seit Monaten nichts los war. Damit hast du dir die letzte Herbstrose aus dem November redlich verdient.

Was war los bei uns? Wir haben uns größtenteils locker gemacht. Nach einer langen, arbeitsintensiven Saison im Vorjahr war bei uns ein bisschen der Ofen aus. Im Sommer 2018 standen daher die Sonnenliegen im Mittelpunkt und im Werkzeugschuppen kehrte Ruhe ein.

Komplett? Nein, das wäre auch wieder gelogen.
Die Küchentür bekam eine kleine Veranda, die mittlerweile sogar ausgegossen und mit einem Dach versehen ist.

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Es muss nicht immer alles eckig sein…

Und natürlich gab es auch einiges zu ernten, zum Beispiel der Klassiker Holunderbeeren. Die Beeren liefern uns einen bitteren Saft, den der Kombucha im Winter zur Zweitfermentation vorgesetzt bekommt. Allerdings sollte man aufpassen, wie man den Saft lagert, damit nicht etwa eine Flasche explodiert und der Küche einen neuen Look verpasst. Aber das ist eine andere Geschichte… 😉

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Ein ganzer Eimer Holunderbeeren.

Schöne Erinnerungen an sonnige Tage kann man ja momentan nicht genug haben. Zum Glück war das Jahr 2018 damit äußerst freigiebig. Die warme Jahreszeit dauerte buchstäblich von Mitte März bis tief in den Oktober. Und während wir jetzt in der Stadt in unserer warmen Wohnung sitzen, sind schon gespannt, was das Jahr 2019 für uns bereithält.

Die ersten Pläne gibt es auch schon:

  • die kleine Veranda vor der Küchentür und ihr Dach wollen fertiggestellt werden
  • der Wintergarten auf der anderen Seite bekommt einen bunten Fliesenboden
  • das Bienenvolk, das in diesem Jahr auf seinem eigenen Honig überwintern darf, kommt hoffentlich stark aus dem Winter und wird geteilt

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Mein Bienenvolk ist nicht gerade das friedlichste. Dafür ist es zäh und robust.

Na dann kann der Frühling ja kommen. Eine neue  Beute für den Ableger steht schon bereit.

Nachwuchs steht ins Haus

Ein Hornissennest im Gartenschuppen

Hornisse

Ja wer baut denn da?

Toll, dachte sich der Mensch: Baue ich mir einen kleinen Schuppen für die Gartengeräte. So habe ich sie schnell zur Hand, muss sie nicht so weit zum Gemüsebeet tragen und wettergeschützt sind sie auch noch. Toll, dachte sich die Hornissenkönigin: Trockenes Holz, eine Tür, die meistens offen steht und wenige Besucher, die mir das Leben schwer machen. Und schon haben wir den Salat: Der Schuppen wird zur Kinderstube von Vespa Crabro.

Wer hätte geahnt, dass sich der Hautflügler-Kurs so schnell bezahlt macht? Letztes Jahr um diese Zeit wären wir beim Anblick der nestbauenden Hornissenkönigin noch rückwärts aus dem Schuppen gekippt. Jetzt rattert im Kopf eine automatische Checkliste los: Mit dem Imkeranzug kann ich problemlos alles wichtige aus der Hütte räumen. Der Fußboden muss mit Plastikfolie ausgelegt und im Optimalfall noch mit einem Katzenklo verstärkt werden, damit das Holz das Gastspiel auch gut überlebt. Schnell sollte es auch noch gehen. Noch ist die Königin alleine. Aber das wird nicht lange so bleiben.

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Dieses Foto war schon einmal auf diesem Blog zu sehen. Noch ist mein Repertoire an Hornissen-Fotos begrenzt. Aber das wird sich wohl in den nächsten Wochen ändern…

Hornissen sind eigentlich friedliche Zeitgenossen, wenn man ihnen nicht zu sehr auf die Pelle rückt. Genau genommen ist es sogar ziemlich schwierig, von einer Hornisse überrascht zu werden. Das Summen beim Fliegen entspricht nämlich ihrer Größe und klingt, als ob ein kleines Flugzeug geflogen käme. Wer heftige Bewegungen in ihrer Anwesenheit vermeidet und ihr Nest nicht erschüttert, hat nichts zu befürchten. Wenn die Hornisse dem Menschen aus dem Weg fliegen kann, dann tut sie das auch.

Wie es mit dem Nest jetzt weitergeht? Wenn alles rund läuft, schlüpfen Anfang Juli die ersten Arbeiterinnen. Im September ist die Belegschaft auf rund 500 Tiere angewachsen und der filigrane Bau aus zerkautem Holz einen halben Meter lang. Und dann geht es auch schon wieder bergab.

Die letzten Arbeiterinnen geben ungefähr im November den Löffel ab. Danach gehört unsere Hütte wieder ganz uns. Oder auch nicht. Hornissen siedeln nämlich mit Vorliebe dort, wo ein Nestbau schon einmal erfolgreich war. Vielleicht sind sie ja im kommenden Jahr zu dieser Zeit direkt wieder da….

Erste Ernte

…und ein Kombucha-Experiment mit Maikräutern

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Jetzt fehlen nur noch die Erdbeeren zum Rhabarber

Manche Pflanzen wachsen bei uns im Garten ganz von alleine. Zwei Beispiele zeigt das obige Bild: Wir haben mehrere Ecken, in denen gerade der Waldmeister blüht und unter dem Sauerkirschbaum sprießt Jahr für Jahr eine kleine Kolonie Rhabarber.

Während die Weiterverarbeitung des Rhabarbers nicht viel Nachdenken erfordert, sieht die Sache mit dem Waldmeister schon etwas anders aus. Als Low-Carb-Esser und Brotvermeider fällt Gelee schon mal flach. Und da der Gatte wenig bis keinen Alkohol trinkt, kann man auch mit Maibowle nicht unbedingt punkten. Was also tun? Den Waldmeister in Frieden verblühen lassen?

Vor einiger Zeit hat eine Berliner Kombucha-Manufaktur angeregt, Kombucha mit Brennnesseltee anzusetzen. Warum also nicht noch einen Schritt weitergehen und eine Mixtur aus Brennnesseln und Waldmeister probieren? Und so nimmt ein Experiment seinen Lauf, über dessen Ausgang erst in zwei Wochen Klarheit herrschen wird. Findet der Scoby Brennnesseln gut? Kommt er mit dem Waldmeister klar?

Wir werden sehen…

Waldmeister

Eigentlich sollte man ihn vor der Blüte ernten. In der schattigsten Ecke blüht er auch noch nicht. Aber mit Blüten ist er einfach fotogener.

Erster Schritt:

Waldmeister-Sirup

Waldmeister-Wackelpudding war als Kind meine absolute Lieblingssorte. Waldmeister-Sirup kommt direkt dahinter. Man sollte es ruhig selbst ausprobieren, wenn man es nicht glaubt. Geschmack und Duft sind wirklich intensiv. Hinzu kommt: Waldmeister-Sirup ist auch für relative Anfänger der Kräuterküche ein ziemlicher Selbstläufer. Man braucht nur Zutaten, die eine normale Küche sowieso hergibt: Wasser, Zucker und eine Zitrone. Auf

  • einen Liter Wasser nimmt man ungefähr
  • 400 g Rohrzucker
  • 40 g Waldmeister
  • 1 Zitrone

Um sein Aroma zu „wecken“, muss man den Waldmeister erst mürbe machen. Dazu kann man ihn bei 50 bis 60 Grad eine Stunde lang in den Backofen packen. Alternativ steckt man ihn ähnlich lange ins Gefrierfach oder lässt ihn über Nacht welken. In allen drei Fällen werden die Zellen aufgebrochen. Der Duft kann entweichen.

Jetzt muss man nur noch den Rohrzucker im Wasser aufkochen lassen, gibt den Waldmeister und die geschnittene Zitrone dazu und lässt den Sirup über Nacht stehen. Absieben, nochmals kurz aufkochen und in Flaschen abfüllen.

 

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Teeglas im Gegenlicht. Kombucha kann so ästhetisch sein.

Zweiter Schritt:

Brennnesseltee

Brennnesseln treiben mehrmals im Jahr aus. Allerdings spürt man im Frühling am intensivsten ihre unbändige Kraft. Sobald die ersten Pflänzchen ihre Köpfe zeigen, landen sie auch schon in unserem Mixer und kommen als grüne Smoothies wieder zum Vorschein. Oder sie werden zu Tee verarbeitet.

In den Ansatz für 5 Liter Tee für Kombucha wandern neben den oberen Trieben von 10 Brennnesseln mit drei Blattpaaren auch noch 10 g Grüntee. Futter für den Scoby kommt in Form von 200 g Rohrzucker und 150 ml Waldmeistersirup daher.

Jetzt muss der Tee nur noch abkühlen, dann kann der Scoby zurück ins Glas.

 

Pflanzen und Jäten

Giersch zum Sattessen und ein Mayabeet

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Es grünt so grün

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“ lautet die erste Zeile eines alten Frühlingsgedichtes von Emanuel Geibel. Man möchte hinzufügen: „Nicht nur die Bäume!“. Wenn die Natur erwacht, dann macht sie keine halben Sachen.

Neben den Bäumen schlagen auch die Wildkräuter im Garten aus, wie es ihnen beliebt. Den Mücken am Gorinsee sagt der Sommer im Frühling ebenfalls zu. Nur das Gemüsebeet legt sich nicht von alleine an.

Es muss also schleunigst nachgeholfen werden. Während im letzten Jahr der Fokus stark auf dem Fachbereich „Renovieren“ lag, gibt es in diesem Jahr keine Ausreden mehr.

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Schwester Martina pflanzt die „drei Schwestern“

Wir haben einen sehr bröseligen, sandhaltigen Boden, der einst einem Waldgebiet abgetrotzt wurde. Zum Glück gibt es nebenan einen Reiterhof, der den anliegenden Hobbygärtnern die Hinterlassenschaften der Pferde regelmäßig in einer Schubkarre zur Verfügung stellt. Man muss sie nur abholen. Auch bei den Kompostwürmern in der Küche war endlich Erntezeit und so beginnen unsere Beetpflanzen ihr Gartenleben auf einer Grundlage aus Pferde- und Würmerkacke. Wohl bekomms!

Eine zentrale Rolle soll dabei ein so genanntes Indianer-, Azteken- oder Maya-Beet spielen, eine Mischkultur aus Mais, Bohnen und Kürbis, wahlweise auch Zucchini. Der Mais dient den Bohnen als Rankhilfe. Die Bohnen – Legumiosen, die sie sind – stellen dem Mais Stickstoff aus der Luft im Erdreich zur Verfügung. Die Kürbisgewächse sorgen mit ihren großen Blättern dafür, dass der Boden nicht austrocknet.
Wir sind gespannt!

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Giersch im Balkonkasten. Für den grünen Smoothie unter der Woche, in der wir Stadtmenschen sind.

Während die zarten Pflänzchen aus der Vorzuchtvitrine auf dem Stadtbalkon ihre ersten Erfahrungen als Gartenpflanzen machen, ist der Giersch da schon einen Schritt weiter. Der halbe Garten sieht aus wie eine Giersch-Zuchtstation. Aufessen hilft da nur noch bedingt weiter. Trotzdem ist es den Versuch wert. Zum Beispiel in Suppenform.

Suppenbrühe kann man selbst herstellen, indem man Gemüsereste im Gefrierfach sammelt und auskocht. Damits nicht bei der Brühe bleibt, braucht man außerdem noch:

  • eine Zwiebel
  • einige Knoblauchzehen
  • zwei Handvoll junge Gierschblätter
  • eine Süßkartoffel
  • ein Pächchen Räuchertofu
  • nach belieben weiteres Grünzeug, wie Porree, Kohl oder Mangold aus dem Supermarkt oder Hopfenspargel, Brennesseln oder Gundermann aus dem Blumenbeet
  • Salz, Pfeffer, Pul Biber

 

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…und ein Vordach, unter dem man das Abendessen genießen kann!

 

 

Aprilsommer

Mit Vollgas in die Gartensaison

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Kirschblüte hinter dem Haus

Wie hieß noch einmal die Jahreszeit zwischen Bibber-Temperaturen und Badewetter? Ach ja: Frühling!

Schön, dass die Erinnerung noch nicht allzu schwer fällt. Irritiert ist man dieser Tage trotzdem. Passiert nicht allzu oft, dass die Flipflops schon aus dem Winterquartier zurück sind und die Daunenjacke noch am Kleiderhaken hängt. Der Übergang von Winter zu Sommer ging aber auch schnell. Wie soll man da hinterherkommen? Schließlich hat man ja auch noch anderes zu tun. Während wir in Sachen Hausrenovierung aktiv waren, hat der Giersch still und heimlich den ganzen Garten übernommen. Da hilft auch kein Aufessen mehr. Großflächiges Jäten ist die Aktion der Stunde.

 

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Wimmelbild für Fortgeschrittene: Ja, was wächst denn da?

Zum Glück ist Giersch nicht die einzige Pflanze, die sich vermehrt hat. Noch ist der Bewuchs spärlich, aber es scheint gelungen zu sein, Bärlauch in unserem Garten heimisch zu machen. Die paar Pflänzchen, die ich im vergangenen Jahr aus Versehen samt Zwiebel aus der Erde gepflückt habe und eingepflanzt habe, sind nicht nur zurück, sondern das auch noch in doppelter Mannschaftsstärke. Sogar erste Knospen sind bereits zu sehen. Mindestens 10 Pflänzchen sprießen unter dem Sauerkirschbaum. Bis zum ausgewachsenen Bärlauchfeld ist es zwar noch ein weiter Weg, aber man wird ja wohl hoffen dürfen.

Die Bienenkönigin hat sich bei der Durchsicht des Volkes auch gezeigt. Damit ist klar: Sie hat den Winter überstanden – und mit Futter in der Futtertasche, einer neuen Generation bereits verdeckelter Brut in den Startlöchern und dem Blütenmeer vor der Haustür kann jetzt eigentlich nichts mehr schief gegen. Die erste Bienenüberwinterung ist geglückt.

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Der Mai muss noch kommen, die Bäume schlagen längst aus.

 

Im Zeichen der Hütte

Neuer Stauraum hinter dem Haus

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Das Glück ist mit an Bord: Ein Hufeisen an der Tür gehört zur Grundausstettung der „neuen“ Hütte.

Unser Grundstück erfreut sich einer stattlichen Anzahl kleinerer und größerer Gebäude. Es gibt eine Werkstatt, eine Abstellkammer und einen Carport – der allerdings seit längerer Zeit als Materiallager missbraucht wird. Nur das Gartengerät hatte bislang noch kein eigenes Zuhause. Und so gesellten sich Rechen und Schaufeln zu den Werkzeugen im Schuppen, der Gartenschlauch verkroch sich unter der Wasserbecken-Badewanne neben der Feuerschale und die Blumentöpfe und Mulchsäcke warteten in einer kleinen Wellbleck-Konstruktion am Zaun auf ihren nächsten Einsatz.

Sieht so ein geordnetes Gartenleben aus? Ganz sicher nicht. Ein Gerätehäuschen musste her! Kein Problem – die gibt es schließlich in jedem Baumarkt. Nur: Möchte man so eine Sperrholz-Konstruktion im eigenen Garten haben? Dass die Ästhetik eine vollkommen andere ist, als die der übrigen Gebäude, liegt auf der Hand.

Fast fertig! Das Dach ist jedenfalls schon drauf.

Der Ausweg aus dem Dilemma kommt in Form einer Kleinanzeige daher. Ein „Kleines Gerätehaus“ steht zum Verkauf. Man wird sich handelseinig und schon nimmt eine Aktion ihren Lauf, die auf einen Tag angesetzt war, aber letztendlich zwei Tage dauert. Ohne die tatkräftige Mithilfe der Nachbarn, neuer und alter Freunde und des Verkäufers wäre sie auch gar nicht möglich gewesen. Auch ein gemieteter Kleinlaster, ein geliehener und ein schnell noch gekaufter Akkuschrauber (aus einer weiteren Kleinanzeige) und einige Steinplatten, die zu den Erbstücken auf unserem Grundstück zählen, spielen dabei tragende Rollen. In manchen Fällen sogar wortwörtlich!

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Geduld und Wasserwaagen: Das Fundament ist der wichtigste Teil des Baus.

Lernerfahrungen brachte das Wochenende auch in Hülle und Fülle mit sich. Zum Beispiel diese:

  • Vom Vorbesitzer selbstgebaute Hütten sind häufig aus Massivholz und daher fast immer schwerer, als vergleichbare Konstruktionen aus dem Handel. Mit weniger als drei Personen braucht man gar nicht erst anfangen. Dafür sieht es hinterher nicht so aus, als wäre ein nagelneues Ufo aus unbehandeltem Fichtenholz gelandet. Stattdessen könnte man meinen, die alte Hütte wäre schon immer hinter unserem Haus gestanden. Mit anderen Worten: Sie fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein.
  • Es lohnt sich, von Anfang an in vernünftiges Werkzeug zu investieren. Nette Versuche à la „Der ist so schön klein, der gefällt mir!“ sind wenig zielführend. Wer billig kauft, kauft ebenfalls zweimal. Braucht jemand einen kleinen Akkuschrauber, der in die Hosentasche passt? Wir hätten da einen abzugeben…
  • Kreidemarkierungen vor dem Abbau unterstützen den späteren Wiederaufbau enorm. Durchnummerieren der Bretter nicht vergessen!
  • Bauaktionen dauern immer länger, als man denkt. Freunde, die zum Grillen kommen, und stattdessen mit Bierflaschen in der Hand die letzten Bauabschnitte beobachten müssen, sind zwar eine nette Abwechslung, aber keine große Hilfe.

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Auch aus gartengestalterischer Perspektive ist die neue Hütte ein echter Fortschritt. Sie ersetzt den hinteren Steinhaufen.